Wie kannst du überhaupt noch dein Leben leben, wenn dein Kind psychisch belastet ist?
- Kathrin Eichhorn

- 11. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ein Satz, der mir nicht direkt ins Gesicht gesagt wurde - aber so gemeint war.
Neulich sagte jemand zu mir:
"Also ganz im Ernst - wenn dein Kind psychisch belastet ist, frage ich mich, wie du überhapt noch Zeit findet, dich um dieses Buch, social media und deine Selbstständigkeit zu kümmern, wenn es doch alles soooo schlimm ist."
Und ich frage mich:
Was genau willst du mir damit sagen?
Soll ich still sein, zusammenbrechen, mich auflösen?
Darf ich kein eigenes Leben mehr haben, sobald mein Kind leidet?
Soll sich meine ganze Existenz nur noch um Schmerz drehen - und das bitte sichtbar und konstant?
Was erwartet man denn von einer Mutter in einer solchen Situation?
Dass sie schweigt?
Dass sie sich aufopfert? Wo genau fängt das an, wer beurteilt, ob das richtig gemacht wird?
Dass sie alles verliert, nur damit es in das Bild passt, das andere sich von einer "guten Mutter" machen?
Denn zwischen den Zeilen steht nicht Mitgefühl, sondern Vorwurf. Nicht Interesse, sondern Bewertung.
Aber das Leben funktioniert nicht in Schubladen. Es gibt kein entweder oder.
Ich kann trauern - und trotzdem gestalten. Ich kann erschöpft sein - und trotzdem schreiben. Ich kann mein Kind belgeiten - und trotzdem nicht aufhören, ich selbst zu sein.
Was viele nicht verstehen und auch nicht müssen. Mein Buch, meine Arbeit, mein Content - das ist nicht "trotz" der Belastung entstanden. Sondern wegen ihr.
Weil ich irgendwo hin muss mit meinen Gedanken. Weil ich einen Ort brauche, an dem ich nicht nur Mutter bin, sondern auch Mensch. Weil ich meiner Tochter nur dann Halt geben kann, wenn ich selbst nicht falle.
Diese Aussage hat mich getroffen - kurz, tief. Weil sie einen wunden Punkt berührt. Weil ich dieses Fragen kenne. Weil ich sie mir selbst stelle.
Und vielleicht ist das genau die Botschaft, die ich weitergeben will: Dass wir aufhöhren müssen, uns selbst zu verlieren, nur um irgendeinem Ideal zu genügen. Dass Fürsorge nicht beduetet, auf sich selbst zu verzichten. Und dass echte Stärke darin liegt, beides zu halten - die Verantwortung für andere und die für sich selbst.

Kommentare